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Noch-AStA kritisiert Wagener-Veranstaltung mit Bundeswehr-Gästen

24 Januar 2012 670 views 14 Kommentare von

Der noch amtierende AStA der Uni Trier kritisiert wieder mal eine Veranstaltung des Lehrstuhls Jun.-Prof. Dr. Wagener, in deren Rahmen morgen um 18 Uhr c.t. im Hörsaal 9 zwei Majore der Bundeswehr über den Afghanistan-Einsatz berichten. Die Veranstaltung trägt den Titel “Krieg in Afghanistan: Ein Erfahrungsbericht aus den Kampfeinsätzen der Bundeswehr“. In der PM, die diese ankündigt, steht:

Major Schröder und Major Krüger waren von 2009 bis 2011 als Kompaniechefs im Gefechtsraum Kunduz im Einsatz. Sie waren dabei mehrfach an direkten Kampfhandlungen mit Kräften der Taliban beteiligt. Die Referenten werden in ihrem Vortrag über persönliche Erfahrungen im Kontext der Aufstandsbekämpfung berichten und dabei Stärken und Schwächen des Kampfeinsatzes der Bundeswehr am Hindukusch bewerten. Vorgesehen ist des weiteren eine Auswertung von Filmmaterial, das während des Einsatzes erstellt worden ist.

Heute gab der AStA dazu folgende PM heraus:

PM: Die Uni ist kein Platz für Kriegspropaganda!

Anlässlich des für den 25. Januar geplanten Vortrags “Krieg in Afghanistan: Ein Erfahrungsbericht aus den Kampfeinsätzen der Bundeswehr” wendet sich der AStA der Karl-Marx-Universität Trier entschieden gegen die zunehmende Präsenz militaristischer Inhalte an unserer Universität.

Der Vortrag zweier Majore der Hamburger Führungsakademie der Bundeswehr über ihre Erfahrungen im Afghanistankrieg am 25. Januar ist hier nur das aktuellste Beispiel. Er ist Teil einer Entwicklung, Kriege als legitimes Mittel deutscher Politik darzustellen und nur noch in Bezug auf die Effektivität ihrer Durchführung zu untersuchen. So wollen die beiden Majore in ihrem Vortrag die „Stärken und Schwächen“ des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan herausarbeiten – die Frage nach dem Sinn des ganzen Unternehmens wird gar nicht erst gestellt.

Veranstaltet wird der Vortrag von Junior Professor Martin Wagener (Politikwissenschaft), dem zivil-militärischen Thinktank Clausewitz Netzwerk für Strategische Studien und dem Reservistenverband der Bundeswehr/Landesgruppe Rheinland-Pfalz. Mit den mindestens militär-affinen Inhalten von Forschung und Lehre Martin Wageners hat sich der AStA bereits im Sommersemester 2011 in einer Veranstaltung zur Militarisierung der Hochschulen auseinandergesetzt. Zuletzt fiel er mit dem Versuch auf, dem aufgrund seiner untragbaren sexistischen und militaristischen Ansichten ausgeladenen Militärhistoriker Martin van Crefeld in einem seiner Seminare ein Forum zu bieten. Auch der Reservistenverband ist bereits mehrfach mit Vorträgen an der Universität öffentlich aufgetreten. In diesen Chor der Kriegspropaganda reiht sich seit neuestem auch eine studentische „Hochschulgruppe für Außen und Sicherheitspolitik“ ein, die ebenfalls schon einen Frontkämpfer zum Anekdotenerzählen an die Universität geladen und sich laut Satzung den verstärkten zivil-militärischen Diskurs und das Bekenntnis zur Notwendigkeit von Streitkräften und der Verteidigung „unserer“ Werte auf die Fahne geschrieben hat.

Für den AStA kann die Propagierung von Krieg als Mittel zur Durchsetzung so genannter deutscher Interessen (zu denen laut Weißbuch der Bundeswehr z.B. freier Zugang zu Ressourcen und Handelswegen gehören) kein gleichberechtigter Teil des wissenschaftlichen Diskurses sein. Wir fordern eine Selbstverpflichtung der Universität, nach der Forschung und Lehre ausschließlich friedlichen und zivilen Zwecken zu dienen haben.

14 Kommentare »

  • Jochen said:

    das ist ja sehr konstruktiv vom AStA. Statt die Veranstaltung dazu zu nutzen, mit den “Kriegstreibern” und auch Herrn Wagener in eine Diskussion zu treten, um einmal Argumente sprechen zu lassen, einfach alles lauthals boykottieren. Ich kenne Wageners politische Ansichten nicht, aber wie soll Wissenschaft funktionieren, wenn man sich nicht beide Seiten anhört?

  • Kai said:

    Kriegspropaganda?! Wenn zwei Armeeangehörige in einem universitären Rahmen über den Afghanistan Einsatz mit Studenten diskutieren?

    Das ist in meinen Augen absolut nicht der Fall. Ich begrüße solche Diskussionen. Theorien der Internationalen Beziehungen treffen auf die Realität, welche dann in Form von zwei Soldaten vor studentischen Publikum sitzt. Das ist in meinen Augen keine Propaganda, sondern ein sinnvolles Aufeinandertreffen von Theorie und Praxis. Ob die Praxis begrüßenswert ist, steht auf einem anderen Blatt.

  • Christoph Rohde said:

    Es ist einfach erbärmlich, wie mit Hilfe eines Zwangs-Pazifismus, der den Bedingungen dieser Welt nicht angemessen ist und, gesinnungsterroristischen Methoden gegenteilige Meinungen zum Schweigen gebracht werden soll. Das erinnert an die Zeiten der “Friedensbewegung”, bei welcher die SS-20-Raketen der UdSSR “Friedenswaffen” waren und die Pershings Kriegswaffen.
    Professor Wagener hat in seinen Forschungen insbesondere zu Südostasien nachgewiesen, dass seine Forschung Wege zum Frieden identifiziert, mit realistischen Mitteln und nicht durch Gesinnungshörigkeit. Solch eine ASTA ist redundant.

  • Stresemann said:

    Wieso soll eine Diskussion mit zwei Offizieren Kriegspropaganda sein?

    Hält der AStA die Studis für so dumm, die Aussagen von zwei Bundeswehrangehörigen nicht hinterfragen zu können?

    Fundierte Meinungen entstehen doch gerade durch Diskussionen von verschiedenen Standpunkten, zumal hier auch noch Theorie und Praxis aufeinandertreffen.

    Eine demokratische Gesellschaft kann nur dann dauerhaft Bestand haben, wenn abweichende Meinungen, egal für wie gut oder schlecht man sie hält, nicht unterdrückt, sondern diskutiert werden. Dann entlarven sich z.B. rassistische Weltbilder von selbst.

    Aber Meinungsfreiheit scheint diesem AStA nur solange zu passen, wie es seine Meinung ist, die vertreten wird. Leider scheint sich das angesichts der Ergebnisse der letzten StuPa-Wahl mit dem zukünftigen AStA nicht zu ändern.

  • Christian said:

    Ich kann mich den vorherigen Kommentaren nur anschließen!

    Folgendes sei ergänzt:
    Zum einen ist die Bundeswehr die Exekutive und damit das ausführende Organ einer vom Volk gewählten Regierung. Daher ist es nichts neues, dass nicht die Bundeswehr sich selbst in den Einsatz schickt, sondern dies durch die Zustimmung des Parlaments geschieht! Daher zeugt es von geringem politischen Verständnis, wenn die beiden Herrn Majore als Kriegstreiber abgestempelt werden, so als hätten sie und weitere Militärs entschieden, dass sich die Bundesrepublik am Einsatz in Afghanistan beteiligt!
    Mit ein wenig Ahnung bzgl. des Werdegangs eines Offiziers sei ferner angemerkt, dass die derzeitigen Majore bereits vor dem Beschluss des Afghnistan-Mandats Soldat geworden sind. Anstatt ein wenig Respekt zu zeigen, dass solche Leute bereit sind trotz der Entbehrungen solcher Einsätze weiterhin ihren Beruf gewissenhaft auszuüben, zieht man über sie her wie über kleine Kinder, die nicht wissen was sie tun! Das ist geschmacklos. Und dies nicht zuletzt, da sich gewisse Personen über Akademiker ein Urteil erlauben, dessen universitären Abschluss sie selbst noch anstreben.

  • Benjamin said:

    Ich finde es schrecklich, dass direkt jede Veranstaltung, die mit Bundeswehr zu tun hat, boykottiert werden soll. Die Bundeswehr ist ein großer Bestandteil der außenpolitischen Handlung und trägt somit zu den Internationalen Beziehung teil.
    Wenn hier zwei Kameraden aus AFG berichten, hat das nichts mit Propaganda zu tun, sondern dient lediglich dem Austausch. Sie werden einen realistischen Einblick in die Verhältnisse vor Ort liefern.
    Wer so eine PM schreibt, kann nicht gedient haben.

  • Jens said:

    Naja, liebe Menschen, die vor mir kommentiert haben:
    “Sie waren dabei mehrfach an direkten Kampfhandlungen mit Kräften der Taliban beteiligt. Die Referenten werden in ihrem Vortrag über persönliche Erfahrungen im Kontext der Aufstandsbekämpfung berichten und dabei Stärken und Schwächen des Kampfeinsatzes der Bundeswehr am Hindukusch bewerten. Vorgesehen ist des weiteren eine Auswertung von Filmmaterial, das während des Einsatzes erstellt worden ist.”
    Klingt das nach einer Diskussion über den Sinn oder Unsinn eines Krieges in Afghanistan?
    Für mich klingt das nach 1,5h militärischem Vortrag über heroische Schlachten und was noch verbessert werden muss um noch effizienter zu töten. Dazu noch ein kleiner Actionfilm. Entschuldigung aber das hört sich nicht nach einer Art Faktencheck an oder einer ausbalancierten, gleichberechtigten Diskussion. Hier wird eine Plattform geboten um Werbung für einen Krieg zu machen, nicht um kritisch zu diskutieren. In dem man sie auf Vortäge einlädt, wie auch schon andere Menschen davor, macht man sie zu Autoritäten…

  • Klaus E. Witz said:

    Ob die Zwei auch davon erzählen können, wie es ist, zu töten?

  • Sebastian said:

    @Jens: Wo findest du da den Hinweis auf “heroische Schlachten”?Und ist direkt Filmmaterial mit Inhalt über Krieg ein Actionfilm?Sind auch Kriegsberichterstattungen seitens Journalisten Kriegskurzfilme?
    Mit solchen populistischen Argumenten kann man getrost bis nach der Veranstaltung warten, wenn man Belege für Propaganda oder ähnliches hat.
    Ansonsten kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen.

  • Kai said:

    Jens, du amüsierst mich.

  • Benjamin said:

    So. Ich hoffe, dass der Autor an der Veranstaltung dran teilgenommen hat und selbst gemerkt hat, dass diese PM total an der Realität vorbei war.

  • Andreas Oster (author) said:

    Die Zitierung einer PM ist nicht mit einer Zustimmung zu dem Inhalt einer PM zu verwechseln!
    TrUNews zitierte beide Seiten, damit die Leser sich eine eigene Meinung bilden können.

    Im Übrigen sollte mein Standpunkt in der Sache vielen allein aufgrund meiner HSG-Zugehörigkeit klar sein.

  • Marc said:

    Geht es hier wirklich bei dem Protest um Inhalte? Hier wird doch nur über einen Titel der Veranstaltung über Vorurteile argumentiert. Ein solche Simplifizierung und Pauschalisierung ist im Grunde schon nicht sehr akademisch… Die inhaltliche Auseinandersetzung fehlt und die Vergleiche hinken deutlich hinterher.
    Es ist vollkommen in Ordnung, dass der AStA eine kritische Meinung gegenüber der Bundeswehr aufbaut und inhaltlich entsprechende Veranstaltungen kritisch beäugt. Dies entspricht eine Grundidee, die im Kontext der Uni allen Inhalten und Fragestellungen inne wohnen sollte. Dennoch sollte man dies ruhig, sachlich und nicht mit Parolen, Schlagwörtern und unreflektierten Aussagen beschreiten. Dies gilt natürlich für beide Seiten. Aber ein modus vivendi kann nur durch eine Einladung zum Dialog statt finden, daher sollte der AStA seine Strategie überdenken und nicht hitzig argumentieren. Ich habe es in Dialogen selbst erlebt: Die Bundeswehr ist sehr heterogen und die Komplexität kann nur durch Dialoge und ausgiebiger Studie verstanden werden. Nichts anderes geschieht zur Zeit an der Universität Trier. Es ist durchaus legitim, dies kritisch im Auge zu haben, aber nicht es pauschal abzulehnen.

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